Luxemburg

Atypische Grenzgänger an der luxemburgischen Grenze

Christian Wille / Interregionale Arbeitsmarktbeobachtungsstelle



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Bereits Mitte der 1990er Jahre wurden Studien zum Phänomen der grenzüberschreitenden Wohnortmobilität in Luxemburg angefertigt. An dieser Stelle wird ein Einblick in die Wohnortmobilität von Erwerbstätigen ab den 1990er Jahren gegeben, die aus Luxemburg in eine Nachbarregion umgezogen sind unter Beibehaltung ihres Arbeitsplatzes im Großherzogtum.

Deutlich wird, dass das Phänomen der atypischen Grenzgänger in Luxemburg in den letzten 15 Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Jüngste Studienbefunde für den Zeitraum 2001 bis 2007 zeigen, dass 44% der atypischen Grenzgänger aus den am stärksten bevölkerten Gemeinden in Luxemburg kommen, wie etwa aus Luxemburg-Stadt, Esch-sur-Alzette, Differdange, Dudelange oder Petange (L’Observatoire de l’Habitat 2010: 2). Jenseits der Grenze wohnen die atypischen Grenzgänger überwiegend in den größten Gemeinden der Grenzgebiete in Deutschland, Belgien und Frankreich.

Etwa die Hälfte von ihnen wohnt nach dem Umzug nicht weiter als 5 km von der luxemburgischen Grenze entfernt. Ebenso ist festzustellen, dass das gewählte Wohnland tendenziell in unmittelbarer Nähe zur Herkunftsgemeinde liegt (Brosius/Carpentier 2010: 33 u. 36).

Karte: Atypische Grenzpendler

Atypische Grenzpendler

Christian Wille / IBA, Luxemburg

Auch Pigeron-Piroth (2008: 63) arbeitet diese Merkmale heraus: „Les résidents qui quittent le Luxembourg, tout en continuant à y exercer leur activité, s’installent dans la plupart des cas […] à moins de 20 kilomètres des frontières luxembourgeoises, mais aussi dans le pays le plus proche du canton qu’ils habitaient au Luxembourg.“ Vor diesem Hintergrund sprechen Brosius und Carpentier (2010: 36) im Hinblick auf grenzüberschreitende Wohnortmobilität von einer Strategie der Grenznähe bzw. der räumlichen Nachbarschaft.

1) Von zahlreichen Luxemburgern bewohnte Neubau-Appartments im saarländischen Grenzdorf Perl, 3 km von der luxemburgischen Grenze entfernt
Foto: © GR-Atlas
2) Entwicklung und Wohnländer atypischer Grenzgänger nach Luxemburg 1995-2007
Quelle: Eigene Zusammenstellung auf Basis von Pigeron-Piroth 2008: 67f.; Brosius/Carpentier 2010: 29.

Die nähere Betrachtung der Gruppe der atypischen Grenzgänger in Richtung Luxemburg (2001-2007) zeigt, dass sich unter ihnen lediglich ein Viertel Luxemburger befinden. Hingegen bilden Personen mit deutscher, französischer und belgischer Nationalität einen bemerkenswert hohen Anteil (57%), weit gefolgt von Portugiesen (10%) und sonstigen Nationalitäten (8%). Auch Pigeron-Piroth (2008: 62) zeigt für den Zeitraum 1995 bis 2005 auf, dass unter den atypischen Grenzgängern nach Luxemburg zahlreiche Nationalitäten vertreten sind, darunter lediglich ein Viertel Luxemburger.

Damit ist festzuhalten, dass sich unter den atypischen Grenzgängern nach Luxemburg über die Hälfte Franzosen (27%), Belgier (22%) und Deutsche (8%) befinden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ins Großherzogtum gezogen sind, sich jedoch für eine ‚Rückkehr’ entschieden haben. Zu berücksichtigen ist, dass es sich dabei vermutlich um Personen handelt, die aus Regionen bzw. Städten außerhalb der Großregion – etwa aus Paris, Brüssel oder Frankfurt – ins Großherzogtum gekommen waren (Brosius/Carpentier 2010: 19f.).

Angesichts der verschiedenen Nationalitäten kann die Wahl des neuen Wohnlandes differenziert betrachtet werden. Denn es sind die Erwerbstätigen französischer, belgischer und deutscher Nationalität, die fast ausnahmslos in ihr Herkunftsland zurückkehren.

Brosius und Carpentier (2010: 31) vermuten hierfür kulturelle Gründe; ebenso wie die Wohnortpräferenz der Portugiesen mit der in Frankreich ansässigen portugiesischen Community begründet wird. Vor diesem Hintergrund ist die wachsende Bedeutung von Rheinland-Pfalz und Saarland auf atypische Grenzgänger luxemburgischer Nationalität zurückzuführen, die in steigendem Maße in diesen Bundesländern wohnen.

Unter den atypischen Grenzgängern befanden sich im Betrachtungszeitraum (2001-2007) überwiegend ledige Personen (45%), gefolgt von Verheirateten (44%). In Verbindung mit der Altersstruktur, die ein Übergewicht der unter 30-Jährigen und der 30-39-Jährigen anzeigt, lässt sich schlussfolgern, dass sich überwiegend junge (Ehe-)Paare mit ersten Berufserfahrungen, Familienplänen und der Absicht, Wohneigentum zu erwerben, für den Umzug ins Ausland entschließen (Brosius/Carpentier 2010: 22 u. 26).

Hinsichtlich der Einkommenssituation ist festzustellen, dass sich unter den atypischen Pendlern überwiegend Personen der unteren Gehaltsstufen befinden (58%). Dies trifft auch auf Luxemburger zu, woraus Brosius und Carpentier (2010: 26) eine zurückhaltende Neigung der Luxemburger zum Wohnortwechsel schließen: „[die Luxemburger] würden sich nur dann dazu veranlasst sehen, wenn sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um im eigenen Land den Erwerb von Eigentum ins Auge zu fassen.“

Auf Grundlage verschiedener sozio-demographischer Merkmale haben Gerber und Licheron (2010: 82ff) eine Typologie entwickelt, die das Profil der atypischen Grenzgänger (2001-2007) zusammenfassend beschreibt. Dabei handelt es sich um fünf Gruppen, von denen junge Paare mit Kind die größte bilden.

Gruppe

Merkmale

Junge Paare mit Kind
(30% der Stichprobe)
Diese Gruppe machen vor allem Paare im Alter von 30 bis 39 Jahren aus, die im Zuge der Geburt eines Kindes Wohneigentum erwerben oder ihren Wohnkomfort verbessern möchten. Ähnlich wie bei Paaren ohne Kind handelt es sich dabei überwiegend um Personen belgischer und französischer Staatsangehörigkeit.
In Luxemburg geborene Personen
(26% der Stichprobe)
Diese Gruppe wird fast ausschließlich von Luxemburgern (90%) gebildet und umfasst alle in Luxemburg Geborenen. Dazu zählen vor allem junge Erwerbstätige und Paare, die das Elternhaus verlassen. Sie wechseln das Wohnland in erster Linie um Wohneigentum zu bauen.
Personen mit krisenhaften Lebensereignissen
(18% der Stichprobe)
Diese Personen heben sich von den anderen Gruppen deutlich ab, da es sich hierbei vor allem um Ledige mit niedrigerem Einkommen handelt, die oft eine Scheidung bzw. Trennung oder Einkommenseinschnitte erfahren mussten. Sie sind nach dem Umzug häufig Mieter und verschlechtern sich hinsichtlich des  Wohnkomforts.
Junge Paare ohne Kind
(13% der Stichprobe)
Diese Gruppe ist vergleichsweise wohlhabend und strebt tendenziell nach einer Verbesserung des Wohnkomforts. Zu ihr zählen junge Paare ohne Kind (95%), die im Zuge einer Heirat oder Paarbildung den Wohnort wechseln. Häufig handelt es sich um Personen belgischer und französischer Staatsangehörigkeit, die sich – angezogen durch das Beschäftigungsangebot im Großherzogtum – in Luxemburg niedergelassen haben, jedoch nach kurzer Zeit (etwa weniger als fünf Jahre) wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren. 
Paare im mittleren Alter
(13% der Stichprobe)
Diese Gruppe wird im Wesentlichen von wohlhabenden Paaren über 40 Jahre (oft kinderlos) gebildet, bei denen der Umzug an den Erwerb von Wohneigentum gekoppelt ist. Zu ihnen zählen zu einem Drittel deutsche Staatsangehörige und sie verbessern durch den Umzug ihren Wohnkomfort.
Typologie atypischer Grenzgänger nach Luxemburg 2001-2007
Gerber/Licheron 2010: 82ff

Gründe für den Wohnortwechsel
Im Hinblick auf die Motive, die atypische Grenzgänger für den grenzüberschreitenden Wohnortwechsel (2001-2007) angeben, kann zwischen finanziellen, familiären und kulturellen Gründen unterschieden werden.

Unter den finanziellen Gründen, die von den Befragten am häufigsten genannt werden, wird das Preisgefälle zwischen den betreffenden Regionen in den Blick geführt, das hinsichtlich der Lebenshaltungskosten und insbesondere der Miet- und Immobilienpreise augenfällig ist (Carpentier 2010b: 38ff).

In diesem Zusammenhang betonen Gerber und Lord (2010: 1): „En effet, le Luxembourg peut être qualifié de territoire résidentiel „pour privilégiés“, en raison des prix du foncier et de l’immobilier relativement élevés comparativement a ses voisins.“ So kostet bspw. eine Mietwohnung im Großherzogtum im Schnitt 1 130 EUR/m2 pro Monat bzw. 15 EUR/ m2. Im rheinland-pfälzischen Trier hingegen, wo viele atypische Grenzgänger leben, ist die Miete mit ca. 8 EUR/ m2 nur halb so hoch; in ländlichen Gebieten liegen die Mieten zum Teil noch niedriger (IBA 2010b: 124f).

Wichtigste Wohngemeinden atypischer Grenzgänger nach Luxemburg 2001-2007
Quelle: Gengler 2010: 270

Wohnstatus atypischer Grenzgänger nach Luxemburg vor und nach dem Umzug 2001-2007
Quelle: Gerber/Licheron 2010: 70

Neben finanziell-wirtschaftlichen Motiven werden Gründe angeführt, die im Zusammenhang stehen mit der Gründung eines Haushalts (Heirat / Lebensgemeinschaft), mit der Geburt eines Kindes oder mit einer Scheidung / Trennung. Diese familiär bedingten Gründe werden eher von jüngeren Personen angegeben. Kulturelle Gründe für den Umzug werden überwiegend von Nicht-Luxemburgern genannt, die in Luxemburg Schwierigkeiten haben mit der kulturellen und sprachlichen Integration in Gesellschaft und Bildungssystem (Carpentier 2010b: 38ff).

Das Spektrum der Motivlagen zeigt, dass die regionalen Preisdifferenzen für Mieten und Immobilien nicht ausschließlich für die grenzüberschreitende Wohnortmobilität ausschlaggebend sind. Die Wohnsitzverlagerung wird ferner von typischen Ereignissen der Lebensspanne (z.B. Paarbildung oder Geburt) oder von gesellschaftlichen Aspekten des sozialen Zusammenhalts beeinflusst.

Aufgrund der angegebenen großen Bedeutung des Wohnungs- und Immobilienmarkts wird näher beleuchtet, ob atypische Grenzgänger tatsächlich von den Preisunterschieden im Zuge des Wohnortwechsels profitierten. Gerber und Licheron (2010) untersuchen dafür den Wohnstatus und das Wohnsegment von atypischen Pendlern vor und nach dem Umzug.

Wohnsegmente atypischer Grenzgänger nach Luxemburg vor und nach dem Umzug 2001-2007
Quelle: Gerber/Licheron 2010: 73

Wohnländer atypischer Grenzgänger nach Luxemburg nach Nationalitäten 1995-2007 (Anteil in %)
Eigene Zusammenstellung auf Basis von Pigeron-Piroth 2008: 62; Gengler 2010: 270

Hinsichtlich des Wohnstatus wird deutlich, dass sich der häufigste Wechsel vom Mieter in Luxemburg zum Eigentümer in einer Nachbarregion vollzieht, gefolgt von keiner Veränderung der Wohnsituation aus einem Mietverhältnis bzw. Eigentümerverhältnis heraus. Damit scheint im Zuge des Wohnortwechsels der Erwerb von Wohneigentum verbreitet zu sein, was besonders auf die 30 bis 39-Jährigen zutrifft (Gerber/Licheron 2010: 70f).

Auch hinsichtlich des Wohnsegments ist eine positive Veränderung gegenüber der Situation vor dem Umzug auszumachen. Der häufigste Wechsel besteht im Übergang von einer Wohnung in Luxemburg zu einem Haus im angrenzenden Ausland. Deutlich wird dies am Anteil derjenigen, die vor bzw. nach dem Umzug in einem Einfamilienhaus leben.

Denn während vor dem Umzug lediglich 23% in einem Einfamilienhaus bzw. 68% in einer Wohnung lebten, wohnen nach dem Umzug 52% in einem Einfamilienhaus. Dies trifft besonders auf die 30 bis 39-Jährigen zu; die unter 30-Jährigen bleiben häufiger in einer Wohnung leben; die über 50-Jährigen verlassen überwiegend ihr Haus in Luxemburg und beziehen ein neues jenseits der Grenze (Ebd.: 79).

Räumliche Organisation von Alltagsaktivitäten
Die Entscheidung, durch einen Wohnortwechsel zum Grenzgänger in der ‚angestammten Region’ zu werden, wirkt sich auf die räumliche Organisation von Alltagspraktiken aus. Dazu gehört neben wiederkehrenden Aktivitäten (z.B. Einkauf, Sport, Restaurant, Kino, Frisör, Arztbesuch oder soziale Kontakte) auch die tägliche Fahrt an den Arbeitsplatz.

Carpentier und Gerber (2010: 89f) stellen fest, dass sich die Distanzen und die Fahrtzeiten zwischen Wohn- und Arbeitsort bei atypischen Grenzgängern (2001-2007) nach dem Umzug verdoppelt haben. Denn während die Befragten durchschnittlich 16 km in 22 Minuten vor dem Umzug zurücklegten, sind es danach im Schnitt 39 km in 40 Minuten. Mit Blick auf das dafür genutzte Verkehrsmittel verstärkt sich die Pkw-Nutzung.

Hinsichtlich der räumlichen Organisation von Alltagspraktiken scheint zunächst der neue Wohnort an Bedeutung zu gewinnen. Denn während die überwiegende Mehrheit der Befragten die Aktivitäten vor dem Umzug in Luxemburg durchführte, trifft dies nach dem Umzug – mit Ausnahme von Restaurant- und Arztbesuchen – nur noch auf ein Drittel zu. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass sich unter den Befragten über die Hälfte Personen mit deutscher, belgischer und französischer Staatsangehörigkeit befinden. Sie haben bereits vor dem Wohnortwechsel zahlreiche Alltagsaktivitäten im Herkunftsland ausgeführt.

Luxemburger und Portugiesen hingegen führten ihre Aktivitäten fast vollständig im Großherzogtum durch. Bei ihnen ist nach dem Umzug nach wie vor eine ausgeprägte Bindung an das Herkunftsland festzustellen, denn etwa die Hälfte ihrer Alltagsaktivitäten findet weiterhin in Luxemburg statt. Hingegen zeichnet sich bei atypischen Grenzgängern mit deutscher, französischer und belgischer Staatsangehörigkeit eine Verlagerung der Alltagsaktivitäten ins neue Wohnland ab.

So ist festzuhalten, dass der Wohnort für viele Luxemburger nach dem Umzug eher einen ‚peripheren Ort’ ihres Aktivitätsraums bildet, der stark auf die ‚angestammte Region’ zentriert bleibt. Bei den atypischen Deutschen, Belgiern und Franzosen bewirkt die ‚Rückkehr’ eher eine Neuzentrierung des Aktivitätsraums auf den Wohnort, gleichwohl noch ein Viertel ihrer Alltagsaktivitäten im Großherzogtum stattfindet, was mit Erledigungen im räumlichen Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz erklärt werden kann (Ebd.: 91-110).

Probleme am Wohnort
Hinsichtlich des Zusammenlebens zwischen Zugezogenen und autochthoner Bevölkerung an den neuen Wohnorten liegen bisher kaum Informationen vor. Jedoch ist bekannt, dass mancherorts nur wenige Kontakte zwischen beiden Gruppen bestehen. Diese Situation wird z.B. begünstigt durch die massive Erschließung von Bauland und Errichtung von Neubaugebieten für atypische Grenzgänger.

Zwischen dem luxemburgischen Echternach und dem rheinland-pfälzischen Echternacherbrück liegt nur die Brücke über die Sauer
Foto: Wille

Die damit verbundenen Auswirkungen deutet ein Luxemburger mit Wohnsitz in Deutschland an: „Über Nacht wurden da [Dorf in Rheinland-Pfalz] über 250 Baugrundstücke frei gemacht in einem Ort, der nur 500 Einwohner hat. Und das ist ja katastrophal für das Zusammenleben in der Kommune.“ (Wille 2008). Die so entstehenden Neubaugebiete liegen i.d.R. außerhalb des historischen Siedlungskerns von dörflichen Gemeinden und in der Konsequenz bleiben die Zugezogenen oftmals unter sich. Eine solche räumliche Differenzierung spiegelt oft auch eine soziale Differenzierung wider, die ein Luxemburger mit Wohnsitz in Deutschland anschaulich beschreibt:

"Die Luxemburger und die Grenzgänger haben viel Geld und zerstören ganze Dorfgemeinschaften. In einem kleinen Dorf von 500 Einwohnern gibt’s plötzlich 300, die haben ganz viel Geld. Und 200, die haben eigentlich gar kein Geld. Die sind eigentlich Dörfler und das war lange Zeit auch gar kein Problem. Die [Luxemburger] bringen das Geld von Luxemburg mit, die bringen die Autos mit und schaffen dadurch ein ganz neues Leben. Und das merkt man schon jetzt. Ich habe aus dem Grund kein luxemburgisches Kennzeichen mehr.“ (Wille 2008).

Die angedeutete soziale Differenzierung wird durch die Anhebung der Miet- und Immobilienpreise verschärft, die aus der hohen Nachfrage nach Wohneigentum resultiert und von der die autochthone Bevölkerung ebenfalls betroffen sind. So berichtet ein Luxemburger, dass die atypischen Grenzgänger aus diesem Grund an ihren Wohnorten nicht notwendigerweise willkommen sind: "[…] il y a beaucoup de Luxembourgeois qui déménagent en Allemagne ou en France. Moi, je crois qu'ils vont faire euh…. Comment dire ça ? Ils sont mal aimés là-bas. Parce que quand ils viennent, ils augmentent le prix de tout.“ (IDENT: 2009).

Neubauten von Luxemburgern in der belgischen Grenzstadt Arlon
Foto: C. Wille

Subjektive Bewertung des Wohnortwechsels
Epstein und Carpentier (2010) hinterfragen, wie atypische Grenzgänger nach Luxemburg (2001-2007) ihre Entscheidung zum Wohnortwechsel rückblickend bewerten. Mit Ausnahme der Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsort sind sie hinsichtlich ihrer neuen Umgebung "(sehr) zufrieden“ (84%).

Besonders positiv werden die Wohnsituation, die Lebensqualität, das Lebensumfeld, die Nachbarschaft und die höhere Kaufkraft hervorgehoben. Etwa im mittleren Feld rangieren das Sozialleben, das Infrastrukturangebot und die täglichen Fahrten. Negativ hingegen wird die Fahrt an den Arbeitsplatz bewertet, die sich im Hinblick auf Strecke und Zeitaufwand seit dem Umzug verdoppelt hat (Epstein/Carpentier 2010: 119 u. 121f.).

Trotz der verbreiteten Zufriedenheit mit dem Wohnortwechsel sind im Betrachtungszeitraum 2001 bis 2007 12% der atypischen Grenzgänger wieder nach Luxemburg zurückgekehrt; weitere 15% gaben an, eine Rückkehr zu planen. Als Gründe für die (beabsichtigte) Rückkehr ins Großherzogtum werden die Fahrten vom Wohnort zum Arbeitsplatz genannt, gefolgt von den insgesamt anfallenden Fahrten durch die Wohnsitzverlagerung (Ebd.: 128).

Somit bildet die mit dem Grenzgängerstatus verbundene Mobilität den Hauptgrund für Rückkehrer. Dies illustriert eine Luxemburgerin anschaulich am Beispiel einer guten Freundin:

"Une amie à moi habitait tout près de Perl en Allemagne. Elle avait toute une maison pour un prix qu’on paie ici [Luxembourg] pour un studio. La seule chose pourquoi elle est revenue, c'est parce qu'elle n’a pas le permis, elle n’a pas de voiture. Alors, elle était dans un petit village, un petit patelin, et elle devait prendre le bus ; il y avait le bus – je crois – quatre fois par jour là." (IDENT 2009).

Zufriedenheit atypischer Grenzgänger nach Luxemburg mit dem Wohnortwechsel nach Nationalitäten 2001-2007 (Anteile in %)
Quelle: L'Observatoire de l'Habitat 2010: 6

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